Vorstellung des aktuellen Bandes der Protokolle des Bayerischen Ministerrats
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Am Freitag den 24. Juli 2026 stellten die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und das Bayerische Hauptstaatsarchiv gemeinsam, den neuesten Band der Edition „Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1962“ offiziell vor. Der inzwischen elfte Band des Editionsprojekts behandelt das erste Regierungsjahr des Kabinetts Hoegner II, das von 1954 bis 1957 im Amt war.
Die Staatsregierung unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (1878–1980) ist ein Unikum der bayerischen Nachkriegsgeschichte: Zum ersten und bisher einzigen Mal wurde der Freistaat ohne Beteiligung der CSU regiert. Wie der Bearbeiter der Edition Dr. Oliver Braun in seinem Vortrag darlegte, gelang mit der Bildung der sogenannten Viererkoalition aus SPD, FDP, Bayernpartei und dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) ein poltisches Husarenstück, bei dem gelang, die Christsozialen, die die Wahl mit 38% der Stimmen eigentlich gewonnen hatten, zu überrumpeln und auszubooten. Die neue Regierung zeigte sich durchaus ambitioniert und unternahm zahlreichen Reformvorhaben, unter anderem bei der Lehrerbildung, der Staatsvereinfachung und dem Einstieg Bayerns in die Kernforschung. Gleichzeitig hatte sie mit vielen internen und externen Turbulenzen zu kämpfen. Von Anfang an sah man sich schweren Angriffen von außen ausgesetzt, vor allem (aber nicht nur) durch die konservative und kirchennahe Presse. Und auch innerhalb der Kabinetts gab es Spannungen, da einzelne Minister immer wieder Kabinettsdisziplin vermissen ließen und die Richtlinienkompetenz Hoegners mit eigenmächtigem Vorgehen oder dem Durchstechen von Interna an Journalisten herausforderten. All dies kann nun in den 62 neu veröffentlichen Ministerratsprotokollen nachverfolgt werden.
Und auch in der Geschichte der Edition stellt der Band 54/55 einen Umbruch dar. Zum ersten Mal erscheinen die Protokolle des Bayerischen Ministerrats nicht mehr gedruckt, sondern ausschließlich online. Nachdem die beiden vorherigen Bände zwar noch zuerst als Buch herauskamen, aber bereits mit dem Fokus auf die Digitale Veröffentlichung in XML erstellt wurden, ist nun der Schritt zur rein digitalen Edition vollzogen. Die gesamte Edition ist unter www.bayerischer-ministerrat.de abrufbar.
Im Zusammenhang mit der neuen Veröffentlichung wurde auch die Funktionalität der Website erweitert. Seit der Umstellung auf die Editionsarbeit in XML mit dem Jahrgangsband 1953, werden registerrelevante Enitäten (Personen, Orte, Sachschlagwörter, Literatur und Quellen) in einer zentralen Registerdatenbank (RDB) verwaltet. Diese ist bandübgreifend angelegt und zentral für den aktuellen Workflow der Editionsarbeit. Schon zuvor lief die RDB im Hintergrund der Website und ermöglichte verschiedene Verlinkungsfunktionen. Nun sind die fünf Teil-RDBs auf für die Userinnen und User zugänglich. Diese finden dort nicht nur alle hinterlegten Informationen zu den einzelnen Einträgen, sondern auch eine Erwähnungssuche, die über die ID eine Eintrags alle mit ihm verknüpften Stellen im Text findet und anzeigt.
Der nächste Band der Edition, für das Regierungsjahr 1956, befindet sich bereits in Arbeit und wird voraussichtlich 2028 erscheinen, auch dann wieder rein digital.